Wettbewerb „Förderpreis Medienpädagogik“ 2005

Preisträger Kategorie 1 (Kinder im Kindergartenalter)

KITA Kitzelstein, Mommenheim: „In unserem Haus, da klickt die Maus – Multimediale Erfahrungen in der Kindertagesstätte“

In der Kategorie „Kinder im Kindergartenalter“ hat die Jury als Preisträger die Kindertagesstätte Kitzelstein in Mommenheim ausgewählt. Mit dem Projekt „In unserem Haus, da klickt die Maus“ sollten die 5- bis 6-Jährigen Kinder der KITA Kitzelstein grundlegende Fähigkeiten im Umgang mit Meiden erwerben, die über Spielmöglichkeiten hinausgehen.

Im ersten Schritt beschäftigten sich die Kinder mit Fragen wie „Was kann man mit einem Computer machen?“ und „Wozu braucht man einen Computer?“ Sie lernten dann ein Computerprogramm kennen, die „Multimediawerkstatt“ und probierten aus, was man mit dem Programm so alles machen kann. Und was die Kinder da alles in einer PowerPoint-Präsentation gemacht haben, dafür gibt es heute den Preis.

Die Kinder haben sich ein interessantes Thema ausgesucht, sie haben gemeinsam ein für sie be-deutsames Thema ausgewählt, das in ihrer Gegend im Herbst eine wichtige Rolle spielt, die Weinlese. Sie haben dazu fotografiert und gemalt, damit wir sehen, wie die Weinlese abläuft und wie die Trauben zu Most und Gelee verarbeitet werden. Ich war noch nie bei einer Weinlese dabei und ich habe wirklich was aus Euren Bildern gelernt, z.B. wie ein Vollernter aussieht und dass er riesengroß ist.

Die PowerPointPräsentation zeichnet sich aus

  • durch eine gute Anstimmung von Fotos und Texte aus. Hierbei ist hervorzuheben, dass der von den Kindern gesprochene Text nicht nur das beschreibt, was auch direkt zu sehen ist, sondern auch Hintergründe erklärt und die einzelnen Fotos in einem Zusammenhang bringt.
  • dadurch aus, dass einige Fotos durch Fotomontagen ergänzt wurden
  • dass auch Zeichnungen eingesetzt wurden, um bestimmte Abläufe zu visualisieren, z.B. wie der Saft aus der Presse in den Auffangbehälter tropft.

Eine solche Präsentation stellt für die Kinder auch eine Dokumentation ihrer persönlichen Erlebnisse dar, z.B. wie sie selbst Trauben pflücken oder Gelee zubereiten. Insgesamt erhält man anhand des Beitrags einen umfassenden Einblick in die Weinlese und die daran anschließende Verarbeitung.

Preisträger Kategorie 2 (Kinder im Grundschulalter)

Ganztagsgrundschule Hillesheim in Kooperation mit dem BZBM: „Ist regieren schwer?“

In der Kategorie 2 „Kinder im Grundschulalter“ hat die Jury als Preisträger die Videofuzzies aus der Ganztagsgrundschule Hillesheim in Kooperation mit dem Bildungszentrum Bürgermedien ausgewählt, die sich mit der Frage beschäftigt haben, ob regieren schwer ist.

Aus einem kurzen Briefwechsel mit der Bürgermeisterin, entstand in der Video AG der Grundschule Hillesheim die Idee, sich mit dem Leben von Politikern zu beschäftigen und dazu einen Film zu drehen

Im Film wird die systematische Herangehensweise der Gruppe an das Thema Politik und Politiker deutlich. Zur Vorbereitung der Videodokumentation recherchierten die „Videofuzzies“ aktiv im Internet, um etwas über die Aufgaben von Politikern zu erfahren. Besonders fündig wurden sie auf der Internet-Seite der damaligen Familienministerin Renate Schmidt. Die Internetseite www.kinderministerium.de lieferte Ideen zur Erstellung eines Fragenkataloges für ein Interview mit der Bürgermeisterin von Hillesheim. Im Film werden interessante Details der Internetseite vorgestellt, die durch die Kommentare der Kinder vertiefend erläutert werden. Ich habe Lust, mir diese Internetseite auch mal anzusehen. Da gibt es aber jetzt nicht so viel zu sehen, weil Renate Schmidt gerade auszieht.

Der Film zeigt dann das Interview mit der Bürgermeisterin von Hillesheim, ein Video-Gruß von Renate Schmidt an die Videofuzzies rundet den Film ab. Die Kinder stellen im Interview interessante Fragen. Der Zuschauer etwas über das Leben und die Arbeit der Bürgermeisterin, das ihm sonst nicht so einfach zugänglich gewesen wäre. Die Teilnehmer/innen agieren natürlich und wirken sehr informiert und interessiert. Sie bieten damit hervorragende Identifikationsmöglichkeiten für zuschauende Kinder. Während des Interviews wechselt die Kamera zwischen den fragenden Kindern und der antwortenden Bürgermeisterin hin und her, so dass die sprechende Person im Bild erscheint. Zwischenmoderationen strukturieren die Sendung und leiten die Abschnitte ineinander über. Teilweise wird diese Funktion auch von Off-Kommentaren übernommen, wodurch der Informationsgehalt des Films gesteigert wird.

Die Kinder haben aktiv und in weiten Bereichen auch selbständig einen Film entwickelt. Anhand von Internetrecherche, Kamera und Mikrofon konnten die Kinder medienkundliche Kenntnisse erwerben und auch anwenden. Es ist in dem Projekt darüber hinaus gelungen, den Kindern das Format „Reportage“ durch eigenes Erleben zu verdeutlichen.

Der Film gibt einen sehr guten Eindruck der Arbeit der Videofuzzies. Er ist durch das authentische Interesse der Kinder sehr lebendig. Dadurch könnte er durchaus bei anderen Kindern Interesse wecken, sich auch einmal mit dem Leben von Politiker/inne/n auseinander zu setzen oder selbst ein Videoprojekt in Angriff zu nehmen.

Jugendfarm Plochingen: „Farm-News – ein Zeitungsprojekt“

Wenn wir an Medienkompetenz denken, haben wir oft die elektronischen Medien im Blick. Aber natürlich spielen für Kinder und Jugendliche auch die klassischen Print-Medien nach wie vor eine große Rolle: Bücher, Kinder- und Jugendzeitschriften, Sportzeitschriften, später auch Tageszeitungen. Deshalb hat es die Jury gefreut, dass auch einige Zeitungsprojekte unter den Bewerbern waren, Schülerzeitungen und ähnliches. Ein Projekt halten wir für so gelungen, dass es auch einen Preis bekommt: nämlich die „Farm-News“ der Jugendfarm Plochingen.

Die Jugendfarm Plochingen ist ein offenes Angebot für Kinder ab 6 Jahren, das vielfältige Spiel- und Aktivitätsmöglichkeiten bietet. Bei dem Zeitungsprojekt sollten Kinder die Gelegenheit erhalten, ihre Aktivitäten auf der Farm der Plochinger Öffentlichkeit vorzustellen. So haben zwölf Kinder innerhalb von drei Monaten gemeinsam eine 16-seitige Zeitung gemacht, die „Farm-News“. Aber sie haben nicht gleich ins Blaue hinein losgelegt, sondern sich umgeschaut: Zeitung – wie geht das? So haben die Kinder Produkte ihrer großen Kollegen, verschiedene Zeitungen, genau unter die Lupe genommen. Und um einen Einblick in den Produktionsprozess einer professionellen Zeitung zu bekommen, hat die Gruppe auch gemeinsam die Redaktion der Esslinger Zeitung besucht.

Als es dann um die eigene Zeitung ging, haben die Kinder eine Redaktion gebildet, die alle journalistischen Elemente der Zeitung geplant und realisiert hat. Sie haben recherchiert, interviewt, Umfragen durchgeführt, Fotos aufgenommen, getextet und getippt. Die fertige Zeitung gibt einen Einblick in das bunte Leben auf der Jugendfarm. Die regelmäßigen Gruppen werden vorgestellt, besondere Ereignisse, und natürlich – die Tiere! Ergänzt werden die Artikel durch Witze, Rätsel und richtige Werbeanzeigen. Die Artikel sind gut lesbar und übersichtlich gestaltet. Die meisten Texte werden durch Fotos ergänzt, die teilweise nur auflockern beziehungsweise bebildern, etwa Fotos der Tiere. Manche Fotos visualisieren aber auch Thema und helfen, es besser zu verstehen: Stichwort „Feuermachen ohne Streichhölzer“. Bei den Texten kommen verschiedene journalistische Darstellungsformen zum Zug, etwa Reportagen, Berichte und Interviews. Die Artikel sind namentlich gekennzeichnet, so dass sich die teilnehmenden Kinder mit ihren Artikeln ausweisen und identifizieren können. Quasi nebenbei haben die Kinder verschiedene Computerprogramme kennen gelernt für Textverarbeitung und Bildbearbeitung.

In dem Projekt haben die Jungredakteure also Einblick in die professionelle Zeitungswelt erhalten und selbst journalistische Kenntnisse erworben und umgesetzt. Mit den „Farm-News“ ist Ihnen eine kindgerechte, abwechslungsreiche und informative Zeitung rund um die Jugendfarm Plochingen gelungen.

Preisträger Kategorie 3 (Schüler der Orientierungsstufe und der Sekundarstufe I)

bg-creativ-ag des Albertus-Magnus-Gymnasium Ettlingen: „Sag emol – Sagen rund um Ettlingen“

Es gibt Schülerinnen und Schüler, deren Neugier, Kreativität, deren Fähigkeiten und Leistungspotential wird nicht befriedigt vom normalen Unterricht. Für die gibt es in vielen Schulen Arbeitsgemeinschaften, AGs; in Baden-Württemberg die „Begabten-AGs“. Auch am Albertus-Magnus-Gymnasium in Ettlingen gib es eine solche Begabten-AG, die bg-creativ-ag.

In dieser Arbeitsgemeinschaft arbeiten seit mehreren Jahren rund ein Dutzend Schüler und Schülerin-nen verschiedener Jahrgänge zusammen. Über zwei Jahre lang hat sich die AG mit „Sagen rund um Ettlingen“ beschäftigt. Die Ergebnisse wurden zu einem multimedialen Internetauftritt zusammengestellt unter dem Titel „Sag emol“, der auch in einer Offline-Fassung auf CD-ROM zu haben ist. Das komplette Projekt haben die Schüler und Schülerinnen selbst entwickelt und umgesetzt, von der Skript- und Drehbuchentwicklung über kreatives Schreiben bis hin zu Fotografie, Film, Schnitt und Montage.

„Sag emol“ ist ein multimediales Angebot, das dem Nutzer unterschiedliche Zugangswege zu 30 Sagen aus Ettlingen verschafft. Unter der Rubrik „Lesen + Hören“ kann man die 30 Sagen eben lesen und anhören. Unter „Sehen + Hören“ gibt es kleine Videoclips zu zehn Sagen, wobei der Text vorgelesen und mit passenden Fotos oder Zeichnungen untermalt wird. Bei „Wandern + Schauen“ werden die Sagen verknüpft mit dem Ort, an dem sie spielen, durch Fotos, Kartenausschnitte und Animationen. Es gibt Video-Interviews mit lokalen Sagen-Experten, sinnvoll in einzelne Takes aufgeteilt. Und „Erzähle mal selbst“ ist ein kleines Quiz.

Medienprojekte wie dieses bieten begabten jungen Leuten die Möglichkeit, sich nicht nur inhaltlich, sondern auch technisch und methodisch mit vielfältigen Themen auseinander zu setzen. Bei „Sag emol“ ist das vorbildlich gelungen. Die Schüler und Schülerinnen haben die umfassenden und vielfältigen Produktionsschritte aktiv und selbständig durchgeführt. Und dabei haben sie die spezifischen medialen Eigenheiten einer Internet-Produktion gut umgesetzt: das Produkt ist multimedial und interaktiv, dabei auch informativ und unterhaltsam. Und die AG-Mitglieder wissen, wie das Internet Wirklichkeit konstruiert. Das zeigt die von ihnen erdachte Sage „Das Wasser vom Robberg“, die sie überzeugend in Bild und Ton präsentieren – mit dem Unterschied eben, dass diese Sage eine komplette Neudichtung der Schülerinnen und Schüler ist. Wer das Medium so beherrscht, der durchschaut es auch, der hat Medienkompetenz erworben. Dass das kein Zufallstreffer ist, zeigt sich, wenn man sich andere Projekte auf der Internetseite der AG anschaut.

Pestalozzi-Gymnasium Biberach: „Mit Kopf, Herz und Hand“

Mit dem Filmprojekt „Mit Kopf, Herz und Hand“ wurde interessierten Schüler/innen dieses Gymnasiums die Möglichkeit gegeben, verschiedene filmische Technik- und Gestaltungskompetenzen zu erwerben. In Kooperation der FILM-AG der Schule haben 11 Schüler/innen der 11. Klasse sowie 2 Schüler der höheren Stufen ein Schuljahr lang das Leben und Lernen an dieser Schule dokumentiert. Unterstützt wurden sie dabei von 2 betreuenden Lehrern. Es entstand ein 25 Minuten langer Image-Film des Petalozzi-Gymnasiums Biberach, der vielfältige Einblicke in das Schulleben gewährt und zeigt, wie pädagogischen Leitgedanken im schulischen Alltag umgesetzt werden.

Nach einer ersten Konzeptionsphase wurden die Schüler/innen im Umgang mit der Technik geschult und produzierten und verarbeiteten während des gesamten Schuljahres Filme, Fotos und Audiodaten. Der Einstieg in diesem Film ist rasant: Vom Weltraum aus geht es in direkt auf die Schule zu. Schnell geht es auch weiter, indem im extremen Zeitraffer der Weg von der fünften Klasse bis zum Abitur aufgezeigt wird. Aber halt, so eilig hat man es dann doch nicht im weiteren Geschehen. Dazu gibt es über das unglaublich vielseitige Leben an dieser Schule auch einfach zu viel zu berichten.

Der Rahmen für die Darstellung der einzelnen Aspekte wird durch ein Interview von Schüler/innen mit dem Direktor der Schule gesponnen. Alle Informationen zur Schule werden durch Texttafeln, Filmeinspielungen und Fotos unterstützt und strukturiert. Durch diese Visualisierungen wird alles gut veranschaulicht. Der Film berichtet über soziale Aktivitäten, Medienarbeit, Teamarbeit, die Förderung kreativer Fähigkeiten aber auch über Aktionen übers Jahr, Workshops und das große Abiturientenfest. Insgesamt gelingt es dem Film, Informationen und anschauliche Visualisierungen zu einem stimmigen Gesamtkonzept zusammen zu fügen. Die Leitidee der Schule, „Lernen mit Kopf, Herz und Hand“ also intellektuelle, emotionale, soziale und praktische Fähigkeiten fördern, kommt in allen Aspekten des Films zum Vorschein.

Durch die systematische und professionelle Arbeitsweise dieser Gruppe, die ihre Arbeit mit Konzeptentwürfen und Zeitplänen begann, Werbeprofis zu Rate zog, an Schulungen teilnahm und Probeclips erstellte, die Filmarbeiten und Interviews durchführte, das Material nachbearbeitete und schließlich den fertigen Film im Rahmen einer Preview-Night präsentierte, erhielten die teilnehmenden Schüler einen authentischen und ganzheitlichen Einblick in die Filmproduktion. Die Werbewirksamkeit des Filmes, die sich durch den Wunsch auf Seiten des Zuschauers zeigt, diese Schule muss man einfach besuchen, zeigt deutlich, dass die Schüler auch Kompetenzen im Bereich Werbewirkung erworben haben. Dem Film gelingt es das Schulmotto „Schule ist gemeinsam lernen, gemeinsam feiern und gemeinsam leben“ geradezu spürbar zu vermitteln.

Sonderpreis

SMV Gymnasium Neckartenzlingen: Die 1. Neckartenzlinger Filmfestspiele

Im Frühsommer 2005 fanden die 1. Neckartenzlinger Filmfestspiele statt. Motto der von der SMV des Gymnasiums Neckartenzlingen veranstalteten Festspiele war: „Was wäre wenn?“

Die Jury war beeindruckt, was für ein riesiges Projekt von der SMV auf die Beine gestellt wurde. Durch eine beispielhafte Organisation ist es den Verantwortlichen Oberstufenschülern gelungen, die Teilnahme von 500 Schüler/innen zu erreichen. In Schnellkursen erlernten die SchülerInnen den Umgang mit der Kamera und dem Schneideprogramm und fertigten aktiv und selbständig ihren eigenen Produkte, von Ideenfindung über Drehbuch bis hin zu Aufnahme und Schnitt. Den jüngeren Klassen standen ältere Schüler/innen als Mentoren zur Verfügung, die bei Aufnahme und Schnitt halfen. Insgesamt entstanden 44 Filmproduktionen, die allesamt von einer Jury gesichtet, bewertet und zum großen Teil mit Preisen versehen wurden. Darüber hinaus organisierte die die SMV eine imposante Preisverleihung im Hollywood-Stil, die sicherlich allen Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Die eingereichten Kurzfilme zeigen, dass der Kreativität der Schüler/innen tatsächlich keine Grenzen gesetzt waren. Durch die offene Themenvorgabe entstanden technisch und inhaltlich sehr unterschiedliche und vielfältige Beiträge, die das Thema „Was wäre wenn“ verschiedenartig interpretierten. So beschäftigt sich ein Filmbeitrag mit dem Thema „Was wäre wenn – wir für einen Tag Mädchen wären“, ein anderer mit der Frage „Was wäre wenn – wir 10 Jahre älter wären“ oder „wenn alles rückwärts liefe“. Insgesamt zeigen die einzelnen Filme, dass Variationsmöglichkeiten der Kameraeinstellungen und -perspektiven richtig angewendet wurden und auch der Schnitt passend eingesetzt wurde.

Durch das Projekt „1. Neckartenzlinger Filmfestspiele“ ist es gelungen, den Schülern dieses Gymnasiums umfassende Kompetenzen im sinnvollen und bewussten Umgang mit Medien zu vermitteln. Beeindruckt hat die Jury insbesondere, dass hier keine Organisation oder öffentliche Einrichtung für die Durchführung Filmfestspiele zuständig war, sondern alles eigenständig von den Schüler/innen der SMV getragen wurde und zwar in ihrer Freizeit. Hut ab vor dieser großartigen organisatorischen Arbeit.