Wettbewerb „Förderpreis Medienpädagogik“ 2003

Preisträger Kategorie 2 (Kinder im Grundschulalter)

Friedrichschule, Furtwangen: Radio Friedrichschule geht auf Sendung

Im Rahmen einer einwöchigen Projektwoche zum Thema „Klangwelten“ hat die Friedrichschule in Furtwangen das Radioprojekt „Radio Friedrichschule geht auf Sendung“ realisiert. An dem Projekt nahmen klassen- und altersübergreifend insgesamt 19 Grundschülerinnen und Schüler teil. Dabei lernten sie die wesentlichen Elemente einer Radiosendung kennen und setzten diese in ihrer eigenen Produktion weitgehend um. Unter Anleitung ihres Lehrers arbeiteten die Sechs- bis 10-Jährigen kreativ und selbständig und es entstand eine stimmige und abwechslungsreiche Radiosendung.

Nach einer spielerischen Einführung in das Thema Radio beschäftigte sich die Gruppe mit der Frage „Was macht eine Radiosendung aus?“. Anschließend entwickelte die Projektgruppe Ideen für eine Sendung zum Thema Klangwelten, die nach und nach umgesetzt wurden. Die realisierte Sendung beinhaltet nicht nur verschiedene, das Medium Radio kennzeichnenden Elemente wie Musik, Nachrichten und Moderation, sondern auch die beiden Klangspiele „Ivana wacht auf“ und „Geisterstunde“. Durch Musik, An-, Zwischen- und Abmoderationen sind die Beiträge gut strukturiert voneinander abgetrennt.

Bis auf die Musik wurden alle Beiträge von der Schülergruppe konzipiert, entwickelt und produziert. Eine Exkursion zu Radio Dreyeckland – hier wurde die Sendung später auch ausgestrahlt – bot den Grundschülern nicht nur die Gelegenheit professionelles Radio einmal mitzuerleben, sondern auch die Möglichkeit, Aufnahmen ihrer eigenen Sendung zu produzieren.

Das Wissenschaftliche Institut des Jugendhilfswerks Freiburg e.V. realisiert bereits seit 1990 das Projekt „Jugend und Rundfunk“. Innerhalb dieses Projekts werden mit „Girls On Air“ geschlechtsspezifische Angebote für Mädchen gemacht, zu denen auch der prämierte Beitrag „Stolpersteine“ gehört.

Im Rahmen eines dreitägigen Workshops an dem 6 Mädchen im Alter zwischen 6 und 10 Jahren teilnahmen, produzierten die Mädchen eigenständig einen Hörfunkbeitrag zu dem in der Stadt Freiburg aktuellen Thema „Stolpersteine“. In Freiburg wird, wie auch in anderen Städten, die Aktion „Stolpersteine“ durchgeführt, bei der in Messing gegossene Pflastersteine vor ehemaligen Häusern von deportierten Juden in den Gehweg eingelassen werden.

Neben dem Erlernen der technischen und mediendidaktischen Anforderungen einer Hörfunkproduktion, wurden die Mädchen im Workshop zur Auseinandersetzung und Recherche mit dem Thema Judenverfolgung und Deportation angeregt. Sie entwickelten einen Fragekatalog, der Grundlage ihrer Umfragen und Interviews mit Bürgern und Passanten der Stadt Freiburg bildete. Die durchgeführten Interviews wurden anschließend eigenständig moderiert, geschnitten und mit Musik unterlegt. Durch das selbtständige Schneiden des Beitrags, also das Auseinanderschneiden von Frage und Antwort, das Löschen und Verschieben ganzer Wörter und Sätze, wurden den Mädchen bewusst, dass eine Aussage mittels einfacher technischer Mittel völlig verfälscht werden kann. Sie gewannen die Erkenntnis, dass Medien kein exaktes Abbild der Realität sind, sondern durch sie eine eigene Wirklichkeit konstruiert wird.

Das Ergebnis des Workshops ist ein preiswürdiger Audiobeitrag, der zu den Ansichten über Stolpersteine durch Umfragen unter Stadtbewohnern, Touristen und direkten Anwohnern wie auch durch ein Interview mit einer in Freiburg lebenden Jüdin, informiert. Durch die An-, Zwischen- und Abmoderation der Mädchen ist der Radiobeitrag gut gegliedert und wirkt dabei natürlich und authentisch. Mit der Befragung unterschiedlicher Gruppen ist es den sechs Mädchen nicht nur gelungen, die wichtigsten Informationen zum Thema Stolpersteine zusammenzuführen, sondern auch die persönlichen Ansichten der befragten Personen einzufangen.

Grundschule Gödenroth: Homepagebau am Beispiel des Umweltprojektes Fledermaus

An der Grundschule Gödenroth soll das Thema „Homepagebau“ als Unterrichtseinheit etabliert werden. Dabei versteht die Schule Internetarbeit als Angebot „von Schülern für Schüler“. Mit dem Homepagebau sollen Kompetenzen in den Bereichen Recherchieren, Korrespondieren, Publizieren und Kooperieren erworben werden. Der prämierte Beitrag „Homepagebau am Beispiel des Umweltprojektes Fledermaus“ stellt sozusagen das Pilotprojekt der Unterrichtseinheit dar.

Zur Erlangung einer grundlegenden Methodenkompetenz wurde in der Klasse zunächst die Einheit „Internetführerschein“ durchgeführt, die bereits im Vorfeld an der Schule entwickelt worden war. In insgesamt acht Unterrichtsstunden und einigen Freizeitstunden erstellten die Viertklässer dann ihre Fledermaus-Homepage. Dazu wurden den Kindern Kenntnisse in HTML zur Texterstellung, Bildbearbeitung und Tabellengestaltung vermittelt und der Aufbau der Seiten festgelegt. Alle Arbeitsschritte, die zur Gestaltung einer Homepage notwendig sind, wurden von den Grundschülern aktiv ausgeführt, wie beispielsweise das Erstellen des Basislayouts oder die Eingabe der Texte.

Die entstandene Fledermaus-Homepage besteht aus vier Bereichen, zu denen man über eine kleine Übersichtsseite gelangt. So lernt der Nutzer beispielsweise im „ultimativen Fledermaus Labyrinth“ nebenbei die Lebensräume und Gefahren der Fledermäuse kennen. Auch die Informationen zu Nahrung und Körperbau werden spielerisch vermittelt. Die einzelnen Bereiche sind einheitlich gestaltet und enthalten jeweils thematisch passende Fledermauszeichnungen der Kinder. Multimedialität und Interaktivität wurden auf vielfältige Weise realisiert.

Das Projekt zeigt eine Möglichkeit auf, wie in der Grundschule das Internet eingesetzt werden kann: zur Projektdarstellung mittels Homepage. Dabei ist es in einer relativ kurzen Unterrichtseinheit gelungen, den Schüler/innen umfangreiches technisches Wissen zu vermitteln, das diese durch den praktischen Einsatz unmittelbar festigen konnten. Die Kinder haben dabei sehr aktiv und in großen Teilen selbständig mitgewirkt.

Preisträger Kategorie 4 (Jugendliche der Sekundarstufe II)

Schlossgymnasium Mainz: „Video-Arbeitsgemeinschaft“

Der Preis für Jugendliche der Sekundarstufe II, also im Alter von 16 bis 19 Jahren, geht an die Video-Arbeitsgruppe des Schlossgymnasiums in Mainz.

Die Arbeitsgemeinschaft besteht seit 1995. Den „harten Kern“ bilden etwa ein halbes Dutzend Schülerinnen und Schüler; bei einzelnen Filmprojekten stoßen dann jeweils weitere Jugendliche zur AG hinzu. Dabei geben die festen Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihr Wissen und ihr Können an die neuen weiter. Auch diese Kontinuität soll mit dem Preis gewürdigt werden.

Die Video-AG hat mit ihrer Bewerbung fünf verschiedene Filme eingereicht. Arbeiten aus unterschiedlichen Genres, alle von hoher Qualität. Ein Schulmagazin mit Nachrichten und zwei satirischen Beiträgen gehört dazu und eine künstlerisch ambitionierte Multimedia-Umsetzung von Goethes „Faust“; die sensible Dokumentation eines Schweigemarschs für die Opfer des Nationalsozialismus, ein informativer Bericht über den Schülerlandtag und ein Kurzfilm, der an die Bedeutung intakter Natur erinnert. Die Vielfalt der Formen hat die Jury beeindruckt und dokumentiert die hohen Fähigkeiten dieser Arbeitsgemeinschaft. Alle Filme sind von den Schülerinnen und Schülern in Teamarbeit selbständig entwickelt und realisiert worden.

Einen Wermutstropfen gibt es aber auch, und das ist die Dokumentation. Die ist recht knapp gehalten und berichtet leider nichts von Reflexionsprozessen über die Wirkungsweisen und Rolle von Medien. Der Jury sind diese Projektdokumentationen aber sehr wichtig. Nicht nur, um die medienpädagogische Qualität der Projekte beurteilen zu können; sondern auch, damit andere die Möglichkeit haben, von den Erfahrungen solcher Projekte zu profitieren. Wer sich allerdings die Beiträge dieser AG anschaut, wird schnell feststellen, dass die Schülerinnen und Schüler offenbar sehr intensiv darüber nachgedacht haben, wie das Fernsehen welche Wirkungen erzielt – andernfalls wäre es ihnen gar nicht möglich gewesen, diese unterschiedlichen Beiträge so professionell zu gestalten. Deshalb vergibt die Jury den Preis in der Kategorie 4 für Jugendliche von 16 bis 19 Jahren an die Video-Arbeitsgemeinschaft des Schlossgymnasiums in Mainz.

Sonderpreise

AWO Kindertagesstätte Ulm: „KitaSoft – Lernspaß im Kindergarten: Ein deutsch-türkisches Sprachlernspiel für Kindergartenkinder“

Das deutsch-türkische Sprachlernspiel „KitaSoft – Lernspaß im Kindergarten“ ist ein Kooperationsprojekt der Berblinger-Hauptschule und der AWO Kindertagesstätte Ulm. Für den Einsatz in der AWO Kindertagesstätte hat ein Team aus pädagogischen Fachkräften gemeinsam mit türkischsprachigen Schülerinnen der Computer AG ein Lernprogramm entwickelt. Die maßgeblich beteiligten Schülerinnen besuchen überwiegend die 6. Klasse.

Im Mittelpunkt des Projekts stand die Entwicklung einer Lernsoftware mit der türkischsprachige Kinder beim Erwerb deutscher Sprache unterstützt werden sollen. Die verwendeten Bilder bzw. Gegenstände entstammen dem Alltag der Kindergartenkinder, ihr Spracherwerb ist eine notwendige Voraussetzung für die Bewältigung des Alltags und die Integration. Gleichzeitig ist damit gewährleistet, dass die Kinder das Gelernte auf ihren Alltag übertragen können und somit ein Transfer das Gelernte festigt.

Das entstandene Produkt ist sicherlich an einigen Stellen verbesserungswürdig. So ist die Navigation oft nur linear möglich, eine Verknüpfung der verschiedenen Teilbereiche nicht immer möglich. Trotzdem möchte die Jury dieses Projekt hervorheben, das sich in vorbildlicher Weise Medien zunutze macht, um gleich mehrere gesellschaftliche Probleme anzupacken. Das ist nicht nur die wichtige Förderung der deutschen Sprache. Durch die Verbindung Hauptschule, Mädchen und Migrationshintergrund wurde gleich an mehrere Gruppierungen, die sonst eher zu den Computerfernen zu zählen sind, Medienkompetenz vermittelt.

scram! e.V. media community Speyer: „Radio Schloschnaja Campanja: Deutsch-russisches Radioprojekt“

Auch der zweite Sonderpreis wird vor dem Hintergrund „Medien und Integration der Kulturen“ vergeben.

Das Internetradio „Sloschnaja Campanja“ ist aus der Zusammenarbeit der media community scram! mit dem Jugendgemeinschaftswerk des Caritasverbandes Speyer entstanden. Jugendliche Aussiedler (derzeit sechs junge Männer) produzieren seit einem Jahr wöchentlich eine Sendung. Sie werden dabei von professionellen ehrenamtlichen Kräften unterstützt. Das Motto des Projekts lautet: multikulturell – interaktiv – freiwillig.

Die Sendung wird sonntags von 18 bis 21 Uhr live über das Internet ausgestrahlt. Sie ist auch als Zusammenfassung im freien Sender „Radio Quer“ zu hören. Musik und Moderation sind deutsch-russisch. Den Schwerpunkt der Sendungen bildet russischer HipHop, ergänzt durch Hörergrüße und Interviews aus der Musikszene. Die Jugendlichen wählen die Musik und redaktionelle Beiträge in Form von Interviews oder CD-Vorstellungen aus. Sie erstellen Ablaufpläne für die Sendungen, verfassen Texte für die Internetpräsenz, bereiten Interviews und Moderationen vor und führen diese selbständig durch.

Die aktive Mitarbeit an der deutsch-russischen Radiosendung „Sloschnaja Campanja“ ermöglicht sechs jugendlichen Aussiedlern, technische Fertigkeiten und Produktionsabläufe im Bereich Internet und Radio zu erlernen und praktisch umzusetzen. Die Jugendlichen lernten das Planen einer Radiosendung durch inhaltliche Vorbereitung und Ablaufpläne. Durch das Schreiben der Moderationstexte bzw. der Texte für die Internetpräsenz konnten die Jugendlichen darüber hinaus auch ihre Deutschkenntnisse verbessern.